KI-generiertes Bild
Beziehung vor Erklärung. Haltung vor Methode.
Ich bin kein Therapeut. Kein Guru. Kein Motivationsredner.
Ich bin jemand der da war. Ganz unten. Mehrmals. Und wieder aufgestanden ist.
Ich war der, der kämpft. Der funktioniert. Der sich selbst wegmacht.
Früh haben andere entschieden, wer ich sein soll. IQ 138 mit vier Jahren – und damit war die Rolle klar. Nicht "was brauchst du?", sondern "da geht noch mehr." Meine eigenen Bedürfnisse? Nebensache. Das Drama des begabten Kindes – Alice Miller hat es besser beschrieben als ich es je könnte.
Was dabei entsteht, wenn jemand nie lernt, was er wirklich braucht: er sucht es woanders. Ich habe es im Alkohol gefunden. Für einen Moment. Dieses Gefühl von Verbundenheit, von Erfüllung, von – boah, das ist geil. Dopaminbesoffen. Angekommen.
Natürlich war es das nicht. Aber es war das Nächste was ich kannte.
Zwanzig Jahre. Delirien. Unfälle. Sozialer Absturz. Krankenhäuser. Therapien. Kalte Entzüge. Qualifizierte Entzüge. Eine Schwerbehinderung zu 70 Prozent.
Gekämpft habe ich – das stimmt. Aber ehrlicher ist: ich habe mich verpisst. Der Alkohol war mein Ausweg. Meine Art zu verschwinden wenn es zu viel wurde.
Das Leben hat mich nicht geschont. Ich mich auch nicht.
Irgendwann war der Widerstand aufgebraucht. Die Kontrolle weg. Der Kampf vorbei.
Ich habe aufgehört zu kämpfen. Nicht weil ich stark war – sondern weil nichts mehr ging.
Und genau da begann etwas Neues.
Ich lebe seit Jahren abstinent. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Tag meines Absturzes – weil er mich genau dahin gebracht hat wo ich heute bin. Ohne das Dunkel keine Warme Weite.
Immer wieder aufstehen.
Das ist kein Motivationssatz. Das ist meine Biografie.
Und dann irgendwann noch etwas anderes gelernt: meine Zartheit zu spüren. Meine Traurigkeit. Meine Melancholie. Und zu merken – das darf sein. Das bin auch ich.
Als mir klar wurde dass andere Menschen mich nicht verletzen können – sondern dass das immer eine alte Verletzung in mir ist die ich auf alle möglichen komischen Arten kompensiert habe – bin ich innerlich weicher geworden. Empathischer. Und gleichzeitig handlungsfähiger.
Nicht trotzdem. Deshalb.
Und dann: Das Leben ist geil. Wirklich.
Ich bin nicht hier um etwas wegzumachen.
Ich bin hier damit du wieder landen kannst – und von dort aus siehst was möglich ist.
Ich bin nicht derjenige, der sagt, wo es langgeht. Ich bin derjenige der bleibt. Der Raum hält ohne zu drängen. Der weiß, wie es sich anfühlt, wenn nichts mehr greift – und der deshalb nicht in Panik gerät wenn es bei dir genauso ist.
Ich begegne dem was kommt mit Humor wenn es passt. Mit Ernsthaftigkeit wenn es nötig ist.
Immer Freund. Manchmal liebevoller Arschtreter. Immer auf deiner Seite.
Regulation vor Transformation. Ankommen vor Veränderung. Würde vor Diagnose.
Nicht Therapie. Nicht Optimierung. Sondern: erst landen. Dann schauen was möglich ist.
Ich werde nie erwachsen werden. Das will ich auch gar nicht.
Beim ersten Treffen mit meiner Liebsten vor fünfzehn Jahren habe ich alles auf den Tisch gelegt. Nichts zurückgehalten. Das ist nach wie vor meine Devise.
Nebenbei schreibe ich an meinem Buch – Arbeitstitel: Holpersteine. Immer wieder aufstehen.
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